1450 wird das Dorf zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Schon der Kirchenbau aber weist als architektonisches Zeugnis in eine frühere Zeit. Die ältesten Teile des Gebäudes werden auf etwa die Mitte des 13. Jahrhunderts datiert.

Der Augustinerpropst des Klosters Creuzburg berichtet in der Klosterchronik, dass im Jahr 1391 der Pfarrer von Willershausen Gregor Kalckberger außerhalb des Dorfes eine kleine Kapelle errichtet und darin ein Bildnis der seligen Jungfrau aufgestellt habe. Schon nach kurzer Zeit hätten sich bei dieser Kapelle große Pilgerströme eingefunden, um vor dem Marienbild zu beten. Der Propst weiß auch zu berichten, dass dort wundersame Dinge geschehen seien: Viele Menschen seien gesund geworden.

Willershäuser Pilgerzeichen

Das Bild zeigt ein Pieta-Motiv: Maria als Schmerzensmutter, die ihren getöteten Sohn in den Armen hält. Die Trauer ist dargestellt durch ein Schwert, das ihr Herz durchbohrt (vgl. Lk. 2, 35). Eingerahmt ist die Figurengruppe durch eine Ädikula, ein Häuschen mit gotischem Schmuckwerk, einer Kapelle, auf dem Dach. Darunter ist der Name „Wylarshusen“ zweifelsfrei zu lesen. Die meisten der mittelalterlichen Pilgerzeichen waren kleine metallene Flachgüsse. Sie wurden zuweilen in Auflagen von mehr als hunderttausend Stück hergestellt. Man konnte sie an der Kleidung festnähen (kleine Ösen rechts und links) und war damit sichtbar als Pilger ausgewiesen. So konnte man auf den damals unsicheren Straßen einen gewissen Schutz vor Wegelagerern erhoffen, aber auch auf „Werke der Barmherzigkeit“ (Speise, Trank, Herberge, Hilfe im Krankheitsfall).

Nach mittelalterlichem Verständnis verdichtete sich in den Pilgerzeichen die Segenskraft des besuchten Wallfahrtsortes. Die Plaketten waren geweiht oder durch Berührung mit dem dortigen Heiligenbild sozusagen „aufgeladen“ worden. Daheim wurde das Zeichen im oder am Haus oder an besonders schützenswerten Stellen angebracht. Durch die guten Kräfte des Bildes sollte die Macht alles Bösen gebannt werden. Sie wurden auch im Abguss auf Kirchenglocken angebracht und dienten dort einerseits zum Schmuck der Glocke, andererseits sollten sie böse Geister und Dämonen bannen bzw. vertreiben. Das Willershäuser Pilgerzeichen fand man auf sechs Glocken im Umkreis von über 100 Kilometern. Im hessisch-thüringischen Raum muss das Dorf Willershausen als Marienwallfahrtsort bekannt gewesen sein.

Kirche „Unserer lieben Frau“

Um 1450 muss es einen Höhepunkt des Wallfahrtswesens in Willershausen gegeben haben, denn in dieser Zeit wurde die Kirche umgebaut zu jener prächtigen Halle, die heute noch zu sehen ist. Die beiden Säulenreihen wurden eingezogen und das spätgotische Gewölbe darüber gebreitet: Eine aufwendige Ausgestaltung, die sich nicht aus den Bedürfnissen der Dorfbewohner erklärt, sondern wegen der Pilgerscharen nötig wurde.

Nach dem Ausbau des Kirchengebäudes bemühte man sich um eine geistliche Füllung. Der Servitenorden vom Kloster Vacha versuchte eine Klostergründung in Willershausen, um den seelsorgerlichen und organisatorischen Anforderungen nachzukommen, die durch die Wallfahrt angestiegen waren. Nach einem Brand im Mutterkloster Vacha musste dieser Versuch wieder aufgegeben werden. Heute führt der Elisabethpfad von Eisenach nach Marburg durch den Ort und lädt Pilger ein, hier Station zu machen.

Kreuzweg zum Heiligenberg

Vom Friedhof Willershausen am Ortsausgang Richtung Archfeld führt ein Kreuzweg mit sieben Stationen (einfache Holzkreuze in den Bäumen) zum Heiligenberg, wo im Jahr 2000 von der evangelischen Kirchengemeinde ein Andachtsort mit einer Pieta geschaffen wurde.

Mehrmals im Jahr wird der Kreuzweg von Christen aus der Region gegangen und gebetet. In der Passionszeit werden sieben Stationen aus der Leidensgeschichte Jesu aufgenommen und mit dem Leiden von Menschen unserer Tage in Verbindung gesetzt. Man kann den Kreuzweg auch ohne Begleitung gehen und beten. Anleitungen dazu befinden sich in der Kirche und können dort ausgeliehen werden.

Dr. Manfred Gerland, Herleshausen